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Liebevoll ironischer Blick
auf Alltagsprobleme
Liedermacher Sepp
Raith in der Alten Post
Brensbach (kof). Wer Spaß an Laut- und Wortspielereien
hat, sich über politische Seitenhiebe amüsiert und
zudem ein Fan der bayerischen Mundart ist, der durfte sich kürzlich
auf einen satirisch-kabarettistischen Abend freuen: Der Querdenker,
Liedermacher und Buchautor Sepp Raith gastierte in der Kleinkunstkneipe
"Alte Post" in Brensbach.
Das gestandene 50 Jahre alte Mannsbild mit dem Schuss Erotik
in der rauchigen Stimme behandelt in seinen Liedern und Gedichten
mit Sensibilität und liebevoller Ironie die kleinen und
großen Alltagsprobleme. Da geht es um die fitten Alten,
die beim Joggen zur Vorbereitung auf den Ironman eine CD um den
Hals tragen, damit sie beim Geblitztwerden wegen zu hoher Geschwindigkeit
nicht erkannt werden können. Gleichzeitig beklagen sie im
"Kukident-Blues" den Schwund ihrer Zähne. Den
Kontakt mit der Jugend erlebt der Sänger als Begegnung der
dritten Art. Er ist "megaout", da er nicht genügend
Ringe an Nase, Bauch und Po trägt.
Kritische Töne sind ebenso erkennbar in der Reminiszenz
an die so oft beschworene bayerische Gemütlichkeit, die
erst nach der siebten Maß eintritt, oder Im Erntedanklied
über "unsere Saat, die bei den Kindern aufgeht"
- eine Anspielung auf die Umweltverschmutzung.
Fast bösartig die Ballade von der "Familie Deddelbeck"'
bei der die Größe der Weihnachtsgeschenke den Maßstab
für steigenden Wohlstand symbolisiert. Und richtig traurig
wird es in dem Lied "Der fremde Hund" - nur weil er
anders ist als die in der Stadt lebenden Möpse, wird ihm
der Einlass verwehrt und er muß elendig vor den Stadttoren
krepieren. Der Zapper vorm Fernseher "sieht alles und weiß
ja nichts" weil er glaubt, nichts ändern zu können.
In seinen Gedichtvorträgen zeigt Sepp Raith den weichen
Kern unter der rauen Schale:
Der Stimmungskomödiant unterstreicht seine Vorträge
mit ausgeprägter Mimik und Gestik; honigsüß säuselnd
rezitiert er "Die verliebte Schildkröte" oder
"Das Liebeslied des Nilpferds Echnaton", beim "Radelnden
Dromedar" hingegen rollt sein echt bayerisches "r"
wie eine Kanonenkugel. Der Dichter sagt es mit Tieren: Da gibt
es den seligen Schneck, die glückliche Kellerassel, die
Graugans Mareike oder die vernebelte Kuh. Sie alle sind so liebenswert
menschlich, dass man über sie - und sich - nur verständnisvoll
und nachsichtig lächeln kann.
Beim Reimen von "Sahara" auf "Radfahrar"
oder "Ufer" auf "Kartoffelpuufer" kommt die
kindliche Lust am Fabulieren durch. Und doch steckt hinter allem
Spaß auch immer eine Spur Nachdenklichkeit Er agiert aus
dem Bauch heraus und mache keine hirngesteuerten Gedichte; sie
seien für ihn ein Ventil, meinte Raith.
Kurzum - dabei sein ist alles im Falle von Sepp Raith. Das hautnahe
Erleben des Künstlers, auch bedingt durch die Enge der Kleinkunstkneipe,
macht Lust auf mehr. Zum Glück riss den Künstler eine
Gitarrensaite erst beim vorletzten Lied, so sehr hatte er sich
mit samt seinem Instrument verausgabt.
Bilder:




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