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 Pressebericht

    Bericht aus der "Odenwälder Heimatzeitung" vom 25.10.2001:

Liebevoll ironischer Blick auf Alltagsprobleme

Liedermacher Sepp Raith in der „Alten Post“

Brensbach (kof). Wer Spaß an Laut- und Wortspielereien hat, sich über politische Seitenhiebe amüsiert und zudem ein Fan der bayerischen Mundart ist, der durfte sich kürzlich auf einen satirisch-kabarettistischen Abend freuen: Der Querdenker, Liedermacher und Buchautor Sepp Raith gastierte in der Kleinkunstkneipe "Alte Post" in Brensbach.
Das gestandene 50 Jahre alte Mannsbild mit dem Schuss Erotik in der rauchigen Stimme behandelt in seinen Liedern und Gedichten mit Sensibilität und liebevoller Ironie die kleinen und großen Alltagsprobleme. Da geht es um die fitten Alten, die beim Joggen zur Vorbereitung auf den Ironman eine CD um den Hals tragen, damit sie beim Geblitztwerden wegen zu hoher Geschwindigkeit nicht erkannt werden können. Gleichzeitig beklagen sie im "Kukident-Blues" den Schwund ihrer Zähne. Den Kontakt mit der Jugend erlebt der Sänger als Begegnung der dritten Art. Er ist "megaout", da er nicht genügend Ringe an Nase, Bauch und Po trägt.
Kritische Töne sind ebenso erkennbar in der Reminiszenz an die so oft beschworene bayerische Gemütlichkeit, die erst nach der siebten Maß eintritt, oder Im Erntedanklied über "unsere Saat, die bei den Kindern aufgeht" - eine Anspielung auf die Umweltverschmutzung.
Fast bösartig die Ballade von der "Familie Deddelbeck"' bei der die Größe der Weihnachtsgeschenke den Maßstab für steigenden Wohlstand symbolisiert. Und richtig traurig wird es in dem Lied "Der fremde Hund" - nur weil er anders ist als die in der Stadt lebenden Möpse, wird ihm der Einlass verwehrt und er muß elendig vor den Stadttoren krepieren. Der Zapper vorm Fernseher "sieht alles und weiß ja nichts" weil er glaubt, nichts ändern zu können.
In seinen Gedichtvorträgen zeigt Sepp Raith den weichen Kern unter der rauen Schale:
Der Stimmungskomödiant unterstreicht seine Vorträge mit ausgeprägter Mimik und Gestik; honigsüß säuselnd rezitiert er "Die verliebte Schildkröte" oder "Das Liebeslied des Nilpferds Echnaton", beim "Radelnden Dromedar" hingegen rollt sein echt bayerisches "r" wie eine Kanonenkugel. Der Dichter sagt es mit Tieren: Da gibt es den seligen Schneck, die glückliche Kellerassel, die Graugans Mareike oder die vernebelte Kuh. Sie alle sind so liebenswert menschlich, dass man über sie - und sich - nur verständnisvoll und nachsichtig lächeln kann.
Beim Reimen von "Sahara" auf "Radfahrar" oder "Ufer" auf "Kartoffelpuufer" kommt die kindliche Lust am Fabulieren durch. Und doch steckt hinter allem Spaß auch immer eine Spur Nachdenklichkeit Er agiert aus dem Bauch heraus und mache keine hirngesteuerten Gedichte; sie seien für ihn ein Ventil, meinte Raith.
Kurzum - dabei sein ist alles im Falle von Sepp Raith. Das hautnahe Erleben des Künstlers, auch bedingt durch die Enge der Kleinkunstkneipe, macht Lust auf mehr. Zum Glück riss den Künstler eine Gitarrensaite erst beim vorletzten Lied, so sehr hatte er sich mit samt seinem Instrument verausgabt.

Bilder: