Archiv: Theater Tour Boulent "Runter zum Fluß" 25. 6. 2004

Text vom Pressebericht "Wie Karsten lernt ein Mann zu sein" in der "Alten Post" am 25.Juni 2004
im "Odenwälder Echo" Ausgabe 29.6.2004 von Kirsten Sundermann:

Wie Karsten lernt, ein Mann zu sein
Kulturszene: Kleinensemble „Tour Boulent“ liefert in der Brensbacher Alten Post ein komödiantisches Meisterwerk ab

BRENSBACH. Wissen Sie, was ein Stiesel ist? Karsten ist einer, denn er ist Beamter, pedantisch, überkorrekt und weltfremd. Außerdem trägt er Socken zu Sandalen, einen himmelblauen Schlafanzug mit Schäfchen und kontrolliert ständig, ob die Herdplatte auch wirklich aus ist. Anke hingegen ist eine extravertierte, putzmuntere Vollblutfrau mit üppigen Kurven, die gern raucht, französischen Cognac trinkt und lautstark flucht, wenn ihr danach ist. Und was passiert, wenn zwei so gegensätzliche Charaktere aufeinander prallen? Richtig: Es fliegen die Fetzen!

„Runter zum Fluss“ heißt das vergnügliche Zwei-Personen-Stück von Frank Pinus, das Yvonne Vogel und Jürgen Hellmann am Freitagabend im verträumten Gartentheater der „Alten Post“ in Brensbach kurzweilig in Szene setzten. Vor einer mit wildem Wein bewachsenen Wand, auf einer mit sprießenden Blumen umrahmten Bühne zankten, schimpften, knurrten und philosophierten die beiden einander dermaßen komisch an, dass das Publikum seine helle Freude daran hatte.

Zumal zwischendurch auch zartere Töne durchschimmerten. Da tauchten bei Raubein Anke plötzlich sentimentale Sehnsüchte auf, und Langweiler Karsten entpuppte sich als Fan von Billy Idol.

Die Geschichte spielt auf einem Campingplatz in der Provence. Zwei Paare (Anke und Manfred sowie Mechthild und Karsten) lagern Zelt an Zelt und bekommen daher eine ganze Menge von den Verhaltens- und Schlafgewohnheiten der anderen mit. Das Stück beginnt mit zwei Ehekrächen und damit, dass sowohl Anke als auch Karsten plötzlich ohne ihre Partner dastehen.

Für Anke ist das natürlich besonders ärgerlich, denn sie hat nun weder Zelt noch Auto noch nennenswerte Mittel zu ihrer Verfügung. Karsten jedoch hat all das, und es ist für Anke keine Frage, dass er mit ihr teilt. Sie revanchiert sich für die erzwungene Gastfreundschaft, indem sie ihm einen Schnellkurs gibt in Sachen Männer und Frauen samt deren kompliziertem Verhältnis untereinander.

„Frauen sagen immer, dass sie einfühlsame und sanfte Männer wollen, aber in Wirklichkeit träumen sie von einem richtigen Kerl, der rülpst und pupst und voller Kraft und Saft ist.“ Am Ende, wen wundert’s, hat Karsten gelernt, ohne Schlafanzug zu schlafen, den Abwasch stehen zu lassen und so grässliche Dinge auszusprechen wie: „Hei, verdammt noch mal, ich lass mich von dir nicht verarschen, du miese alte Gemüsegurke!“

Und als die jeweiligen Ehepartner nach einem gemeinsamen, aber letztlich misslungenen Fluchtversuch nach Spanien reumütig zum Zeltplatz in der Provence zurückkehren, sind Anke und Karsten verschwunden. Runter zum Fluss sind sie entwischt, dem Ort, „wo einem die ganze Welt gehört“.

Zuvor jedoch kontrolliert Anke noch schnell, ob die Herdplatte auch wirklich aus ist.

Die Komödie „Runter zum Fluss“ des neu gegründeten Theater-Ensembles „Tour Boulent“ (Regie Wolfgang Bachtler) ist in den nächsten Monaten an wechselnden Spielorten in Darmstadt und Umgebung – auf Anfrage auch im Odenwaldkreis – zu sehen.
Kirsten S


Einen Bericht im Internet vom Auftritt des Theaters Tour Boulent aus dem "Odenwälder Echo" vom 29.6.2004 finden Sie ...hier.


Eine Kopie des Artikels kann ...hier downgeladen werden


Bilder vom 25.6.2004: