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| Archiv: Schwöbel: "Schmegge un genieße" 13.03. 2010 |
Text vom Pressebericht "Schmegge un genieße" mit Prof. Schwöbel im "Odenwälder Echo" vom15.03.2010 von Horst Kampke:
Dialektkost, die auf der Zunge zergeht
Kabarett: Hans-Peter Schwöbel präsentiert in der Alten Post sein bekömmliches Programm ,,Schmegge un genieße"
BRENSBACH.
,,Nur in der Sprache ist Heimat, und alle Sprache braucht Beschützer," zitierte der Vollblut-Kurpfälzer Hans-Peter Schwöbel bei seinem Gastspiel im Brensbacher Gasthaus ,,Alte Post" den jüdischen Informatik-Pionier, Wissenschafts- und Gesellschaftskritiker Joseph Weizenbaum. Mit Poesie, Satire und einem ,,foiine Esse" vom Wersauer Gickelswirt hatte der Trägerverein der Kleinkunstkneipe sein Publikum gelockt und nicht zuviel versprochen: ,,Schmegge un genieße" hatte Schwöbel sein Programm betitelt und machte dieser Überschrift alle Ehre: ,,Das Wort wird Fleisch, das Licht wird Wein."Zum Fisch-Trauben-Cocktail also ein Ratespiel mit dem Wörterbuch des Pfälzer Dialekts, zur Kartoffelsupp' ein Gedicht auf Hochdeutsch, zur Hähnchenbrust auf Linsengemüse ein Dialog mit Geistesbruder Schiller, zum Rehragout mit Hoorige Knepp (Kartoffelklöße) ein Mundart-Rapp, vor dem Grieß-Souflee ein Kurpfälzer Blues - das Abend-Mahl wurde mit allen Sinnen verkostet. ,,Der Dialekt ist unersetzlich und unübersetzbar", zeigte sich Schwöbel von den Qualitäten seiner Muttersprache durchdrungen: ,,Damit kann mer Worte, Sätze und Gedanke uff de Zung verlaafe lasse."
Der Soziologieprofessor demonstrierte die heilende Wirkung der Frage ,,Raachtata?" und belohnte die Übersetzerkünste seines Publikums mit ,,Monnemer Gutsls".
Der Kabarettist wetterte gegen die Zeitgenossen, die stolz darauf sind, dass sie etwas nicht können, nämlich Mundart sprechen. Und er demonstrierte eindrücklich, dass Dialekt keinesfalls als derb, roh, ungeschliffen, primitiv oder vulgär abgetan werden kann: ,,Da wo de Rhein breit is, schwätze mer aach so." Das mache die Kurpfalz zum Nabel der Welt und die Einheimischen zu Weltmeistern im Feiern: ,,Wir leben gern, bevor wir sterben."
Und wenn das Leben halt diesseits zu Ende ist, ,,geht es uff de anner Soit nach einer Rutschpartie in eine Bütte voller Kartoffelsalat mit Woi und einem schmackhaften Mädle grad so woiter". Der Kartoffelsalat lasse sich durchaus durch Mangoduft ersetzen: ,,Es kimmt halt druff oo, wie mer sich des Paradies vorstellt."
Seine Hymnen an die Muttersprache als ewige Quelle allen Seins wirkten wie weite Ausflüge. Schwöbel demonstrierte dabei Feinheiten, die beispielsweise mit einmaligen Ausdrücken wie ,,der Mann mit dem abbenem Arm" oder ,,die Hos mit dem abbenem Knopf" die radikale Präsenz des Abwesenden beschwört, ,,was bei Kirchenleuten die Geschäftsgrundlage ist".
Und da war er dann angelangt, beim gesellschaftskritisch-politischen Teil seines Gastspiel. Es ließ ihn gegen ,,Wachsdumm" wettern, für Wahlen an verkaufsoffenen Sonntagen nach einem Rabattmarken-Casting plädieren oder Kirchen-Sponsoring vorschlagen: ,,Warum kein Lidl-Buch, wo aldi schäne Melodien drin soin?", fragte Schwöbel scheinheilig. Derart spitzfindig, satirisch, sozialkritisch und nicht zuletzt wortgewaltig mit seiner ,,Schprooch", kam er um eine Zugabe nicht herum.
Das ,,Alte-Post"-Team Brensbach wird Anfang Oktober für sein Engagement und die Qualität des Programms mit dem Elsässer Kleinkunstpreis belohnt.Weitere Informationen finden sich im Internet unter der Adresse www.brensbach-online/kleinkunstkneipe.
Bilduntertitel: Zeichensprache: Der Vollblut-Kurpfälzer und Kabarettist Hans-Peter-Schwöbel gab am Wochenende ein Gastspiel in der Alten Post von Brensbach. Foto: Horst Kamke
Fotos des Abends:



