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| Archiv:Prof. Schwöbel "Bledsin un Bosse" 17. 11. 2006 |
Mundart als ein Schatz der Kultur
Kabarett: Soziologie-Professor Hans-Peter Schwöbel singt in seinem Kleinkunstprogramm das hohe Lied an den Dialekt
BRENSBACH. Nur in der Sprache ist Heimat. Und Sprache braucht Beschützer. Mit diesem Zitat eröffnete Mundart-Kabarettist Hans-Peter Schwöbel sein Hohes Lied an den Dialekt in der ausverkauften Alten Post. Seine Sprache, die er gegen jeden verteidigt, der glaubt, dass Mundart e Sprochfehler wär, ist der Kurpfälzer Dialekt.Der 1945 in Buchen/Odenwald geborene und in Mannheim aufgewachsene Soziologie-Professor wechselte problemlos vom feinen Hochdeutsch in die Monnemer Muddersproch - allerdings mit einem gravierenden Unterschied: Während in der wortwörtlichen Hochsprache ein subtiler, hochmütiger Unterton mitschwang, gewann seine Stimme im Dialekt an Tiefe, Wärme und Ausdruckskraft.
Zeitgenossen, die verächtlich auf die Mundartler herabschauten, hielt er entgegen, sie sollten bloß nicht stolz sein auf etwas, was sie nicht hätten schließlich sei die Mundart ein Schatz der Kultur. Und ganz schlimm seien die Eingeborenen, die sich ein Aufsteigerpälzisch zugelegt hätten weil se wos werre wolle. Er sage beispielsweise Mer dunn moi Bää weh. Vom Publikum ließ er sich die Brensbacher Variante nennen Mer dunn moi Boa weh. Begeistert kommentierte er: Hören Sie wie das klingt, das ist vielleicht ein Sound - das ist Rockpoesie! Sprechen Sie mir nach!
Sogleich schallte ihm vom Publikum ein rhythmisches Dreifach-Echo Boa weh entgegen. Und wie drückt sich indes der Karrieremensch aus? Moin Boin schmerzt! Während Hans-Peter Schwöbel sich vor Entsetzen schüttelte, kamen die Zuhörer aus dem Lachen nicht heraus.
Als Paradebeispiel für einen, der leidenschaftlich, aber erfolglos, seinen Pälzer Dialekt verneint, persiflierte er jenen Herrn, der auf diese Weise an die Spitze des Systems kam und dort 16 Jahre lang verharrte. Wenn der agile Sechzigjährige mit Halbglatze und Oberlippenbärtchen beschwörend durch seine randlose Brille blickte, sein Göschele spitzte und mit Hingabe das Pälzer ABC des jung verstorbenen Mannheimer Bankdirektors und Mundartdichters Hans Glückstein rezitierte, blieb kein Auge trocken.
Mit ausholender Gestik und pointierter Mimik wiegte er den Oberkörper vor dem Stehtisch und ließ die Worte genießerisch auf der Zunge hin und herrollen. Die hingerissenen Zuhörer lernten, dass U der erotischste Konsonant ist und mit Blunz nicht nur eine Blutwurst gemeint sei. Unnachahmlich seine Demonstration von der Unschuld der Sprache und Musikalität des Dialekts, der die Besucher der Kleinkunstkneipe immer wieder kräftigen Beifall zollten.
Hans-Peter Schwöbel machte mit dem Gscherrmännle und dem Schoppenbürster sowie den Elwedritschen vertraut, denen man nach dem Genuss mehrerer Schoppen guten Weins auf dem Dürkheimer Wurstmarkt begegnen kann. Jeder Anwesende, der die Bedeutung einer pälzischen Redewendung kannte, erhielt zudem e Gutzelsche vom Verfechter der Leistungsgesellschaft - wer was weiß, der kriegt was.
Kein Blatt vor den Mund nahm er bei seinen satirischen Vorschlägen zur Abschaffung der Alterspyramide mittels eines Loblieds auf die Raucher und der Darstellung seiner Einschätzung des US-Präsidenten: Eine Handpuppe mit dessen Zügen setzt er auf seine Weinbehältnisse damit man nicht sieht, was für eine Flasche darunter steckt. Die Jugend in Badisch Sibirien und Aufenthalte in Rimbach und Zotzenbach haben seine Heimatverbundenheit geprägt; die frühe intensive Begegnung mit der Bibel seien das Fundament seiner Sprachlust und Sprachkompetenz.
Nach der Ausbildung zum Kfz-Mechaniker und dem Abitur auf dem zweiten Bildungsweg finanzierte sich Hans-Peter Schwöbel das Studium unter anderem als Bierkutscher, Nachhilfelehrer, Bauschlosser und Statist am Theater.
Rund um den Globus führten längerfristige Arbeits- und Studienaufenthalte den Herausgeber und Autor zahlreicher Essays und Bücher zu pädagogischen und soziologischen Fragen. 1977 begann er, Aphorismen und Gedichte zu veröffentlichen. Seit 1982 schreibt und spielt er Solokabarett in Schriftdeutsch und Kurpfälzer Mundart.
Den Abschluss seines kurzweiligen Programms im zweiten Teil mit liebevollen, lautmalerischen Kindergedichten, der Hymne an die Muttersprache und Mannemer Fätzn angereichert krönte er mit dem herrlichen Mundart-Rap, den der Céphas Bansah dem König von Hohoe (zugleich Landmaschinen-Mechaniker-Meister mit Werkstatt in Ludwigshafen-Mundenheim) gewidmet hat.
Sabine Koch
21.11.2006
Link zum Bericht im Odenwälder Echo: http://www.echo-online.de/suedhessen/template_detail.php3?id=411731
Bilder
vom 17.11.06 in der KleinKunstKneipe "Alte Post":



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