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| Archiv: Lämmerhirt "Akkordarbeit" 1. 10. 2004 |
Text vom Pressebericht "Virtuoses Spiel mit Zwischentönen"
in der "Alten Post" am 1.Okt. 2004
im "Odenwälder Echo" Ausgabe 4.10.2004 von Sabine
Koch:
Virtuoses Spiel mit Zwischentönen
Kulturszene: Werner Lämmerhirt präsentiert sich in der Alten Post unter begeistertem Applaus so gut wie eh und je
BRENSBACH. Freudiger Applaus empfing die Gitarrenlegende Werner Lämmerhirt in der Alten Post, und schlagartig verstummten die Gespräche an den Tischen. Denn von nun an faszinierten atemberaubendes Gitarrenspiel und nachdenkliche Liedtexte die große Zuhörerschar, die am Freitag sämtliche Plätze im beheizten Innenhof der Kleinkunstkneipe belegt hielt.
Bereits das Eingangsstück überwältigte mit melodiöser Virtuosität. Der 55-Jährige in rotem T-Shirt, brauner Lederweste und Jeans schien geradezu verwachsen mit seinem Instrument. Mit präziser Picking-Technik entlockte er der Gitarre in akrobatischer Manier von Rock über Blues, Ragtime und lateinamerikanischen Rhythmen eine Klangpalette, die stellenweise ein ganzes Gitarrenensemble vermuten ließ.
Während seine Lederstiefel im Takt auf den Holzboden der kleinen Bühne stampften, besang er mit kratziger, verhaltener Stimme seine Jugendjahre im Berliner Milieu, Kneipenbegegnungen, den Tod des geliebten Hundes Abigail und die Erfahrung Manche Dinge ändern sich nie. Feinfühligkeit verriet die mit geschlossenen Augen hingebungsvoll vorgetragene Ballade So ein Augenblick wie dieser, und herausfordernd und temperamentvoll kam mit wechselvoller Mimik die Berliner Samba: Wozu sind Freunde da?, daher, geschrieben als Trost für einen an Krebs erkrankten Freund.
Erst seit einiger Zeit singt Werner Lämmerhirt eigene deutsche Texte in grooviger, swingender und jazziger Weise ab und zu muss mal was Neues her, alte Klamotten hat keiner gern so lange im Schrank. Das Brensbacher Publikum dankte ihm die neu gewonnene Authentizität durch gespannte Aufmerksamkeit und lautstarken Beifall.
Nach wie vor zählt der kess berlinernde Musiker zur Creme der europäischen Folk-Blues-Gitarristik. Der Sohn einfacher und armer Eltern wurde in Ost-Berlin Adlershof geboren und erlebte die Verhaftung seines Vaters. Daraufhin flüchtete im Winter 1957 die Mutter mit den drei Kindern nach West-Berlin, um nach verschie-denen Lageraufenthalten letztendlich in Berlin Schlachtensee zu bleiben. Versehen mit dem Talent, Melodien aufzusaugen, versuchte er, auf der Mundharmonika alles im Radio an Schlagern gehörte nachzuspielen.
Ferienaufenthalte mit Jugendgruppen im Zeltlager ermöglichten es dem Zwölfjährigen, sich dem Streit mit dem mittlerweile zurückgekehrten und trinkenden Vater zu entziehen. Dort keimte das Interesse für das Gitarrenspiel auf, und 16-jährig konnte er sich vom Verdienst eines Ferienjobs sein erstes zwölfsaitiges Instrument kaufen. Es folgten unstete Zeiten ab 1967; der Ausbruch aus der Familie, nur mit Schlafsack und Gitarre. In den folgenden Jahren trampte er durch Skandinavien, England und Holland mit Gelegenheitsjobs im Winter in Berlin finanzierte er sich sein sommerliches Straßenmusikerdasein in Europa. Als Ende der Sechziger auch in Berlin englische und amerikanische Folk-Clubs erfolgreich aufmachten, brach Werner Lämmerhirt seine Wanderjahre ab und wurde Stammgast dieser Klubs. Langsam begann sich auch eine bestimmte Fingertechnik der rechten Hand herauszubilden, die später so typisch für mich werden sollte. Und bald legte ich auch das Plektrum zur Seite und zog mir die Fingerpicks über, um nur noch Stücke zu spielen, die mit dieser Technik möglich waren. Es folgten Jahre der Zusammenarbeit als Co-Gitarrist von Hannes Wader, später mit Richard Schütz. 1974 entstand die erste eigene Stockfisch-Platte mit dem Titel Ten Thousand Miles.
Der Gitarren-Guru einer ganzen Generation trat in Brensbach mit drei verschiedenen Instrumenten auf, die er sich alle vom Gitarrenbaumeister Kurt Welsch nach eigenen Klangvorstellungen in die Hände hat bauen lassen. Andächtig lauschen, hinschauen und sich verzaubern lassen auch von den Schlussstücken Am Strand, Herbstsplitter und Bob Dylans Engel mit dem Tamburin ließen sich die Zuhörer gerne einspinnen. Das abwechslungsreiche, künstlerisch hochkarätige Programm, augenzwinkernd und mit leisen Zwischentönen von Werner Lämmerhirt moderiert, endete unter begeistertem Applaus mit zwei Zugaben. Wieder einmal wartete die Kleinkunstkneipe mit einem Highlight in gemütlicher Atmosphäre auf, das in bester Erinnerung bleiben wird.
Sabine Koch
4.10.2004
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Bilder vom 1.10.04:


Pressebild: