Archiv: Büb Käzmann "Kollektiv allein. Mein langer Weg zu uns selbst" 22.01.2011

Text vom Pressebericht "Kollektiv alleine auf Kleinkunstbühne" mit Büb Käzmann im "Odenwälder Echo" vom 25.01.2011 von Kirsten Sundermann:

Kollektiv alleine auf Kleinkunstbühne

Kabarett: Markus Höffer-Mehlmer alias Büb Käzmann entlarvt in Brensbach den Bierdeckel als wahren Auslöser der Wirtschaftskrise

BRENSBACH.

Wissen Sie, was ein Olf ist? Nein? Macht nichts, denn in der „Alten Post“ zu Brensbach wusste es am Samstagabend auch niemand. Kabarettist Markus Höffer-Mehlmer, der unter dem Künstlernamen Büb Käzmann auftritt, klärte gerne auf: Ein Olf ist, und das ist naturwissenschaftlich so definiert, eine Geruchseinheit und gibt die Intensität an, mit der ein Duft uns umwabert.

Ein Mensch mit normal arbeitenden Drüsen, der 0,7 Mal pro Tag duscht und täglich die Unterwäsche wechselt, gibt etwa ein Olf von sich. Ein starker Raucher emittiert 25 Olf und ein Athlet nach dem Sport 30. Da kommen - in einer Massenunterkunft der Pilger auf dem Jakobsweg - leicht schon mal gefühlte 38 Olf zusammen, pro Fuß wohlgemerkt. Und das Ganze muss man dann malnehmen mit sechzig Mitpilgern.

Derart lehr- und unterhaltsam war der ganze Abend in der voll besetzten Brensbacher Kleinkunstkneipe, deren besondere Atmosphäre und unmittelbare Nähe zum Publikum der Protagonist sichtlich genoss. Sein Programm hieß „Kollektiv allein - Mein Langer Weg zu uns selbst“. Was so zu verstehen ist, dass Käzmann in immer neuen Rollen und Verkleidungen die Erfahrungen eines ganzen Kabarettisten-Kollektivs vermittelte. Dabei wurde es für ihn oft eng, denn der Rollenwechsel sollte fliegend geschehen, und als Schnell-Umkleide vor Ort stand lediglich ein winziger Winkel im Raum zur Verfügung, der mit einem schwarzen Vorhang abgegrenzt und zudem bereits durch allerlei technisches Gerät besetzt war.

Keine leichte Aufgabe für den 1,92 Meter Mann, der im Hauptberuf im Pädagogischen Institut an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz lehrt. Noch bewundernswerter war aber seine Leistung als Kabarettist, als scharfer Beobachter und boshafter Berichterstatter, jeweils aus der Sicht seiner vielen Figuren. Als Survival-Trainer erklärte er, wie es zur Finanzkrise kam (weil die Leute immer auf Bierdeckeln anschreiben ließen, und der Wirt das für bare Münze genommen hat), oder dass die Abwrackprämie eigentlich von Jörg Haider erfunden wurde, „nur dass man später die Leute vorher aussteigen ließ“.

Als Anlageberater empfahl er Briefmarken, die seien besser als Immobilien. Und untermauerte diese Behauptung mit einem kleinen Test: „Wenn Sie die drei Wörter Tripper, Herpes, Eigentumswohnung betrachten, welches passt nicht in die Reihe?“. Die Lösung war Tripper, „denn den kriegen Sie wieder los.“

Und so ging es weiter. Als Redner bei der Scheidungsfeier für Heidi und Bernd achtete Käzmann auf Stil und als Feng Shui-Meister darauf, dass auch auf engstem Raum stets eine „Chi-Piste“ frei gehalten wird.

Als moderner Räuber Hotzenplotz ließ er sich von seinen Opfern bescheinigen, dass der Überfall zufrieden stellend verlaufen war, und als Sensenmann machte es ihn traurig, miterleben zu müssen, wie der Todkranke nichts vom frischen Apfelkuchen abbekommt, weil der schon für die Beerdigung vorgesehen sei.

In der Rolle der Super Nanny berichtete er, angetan mit Perlenkette, engem Rock und Stöckelschuhen, über seine schwierigsten Fälle. Alles „hochbegabte Kinder“, versicherte er, das könne man schon an ihren Vornamen ablesen. Der Cornelius mache gern Experimente mit Katzen in der Mikrowelle, und ins Kinderzimmer von Marvin und Jacqueline dürfe außer dem Pizzaboten und dem Kammerjäger kein anderer rein.

Noch viele andere, wichtige Erkenntnisse wurden vermittelt: Dass man beispielsweise nur dann Politiker werden könne, wenn einem der Omi-(Ohne-Mich)-Reflex fehle. Diese spontane Reaktion des Körpers hätten fast alle Menschen, wenn es darum gehe, Kandidaten für die Wahl des Klassensprechers, des Elternbeirats, des Mitwirkenden bei einem Arbeitseinsatzes zu benennen. Ruckzuck gingen dann alle Köpfe nach unten - nur nicht die der künftigen Politiker.

Publikum und Veranstalter waren denn auch hellauf begeistert von dem Vortragskünstler aus Mainz und ließen ihn erst nach einer Zugabe ziehen.



Link auf Artikel in Odenwälder Echo ...hier.


Fotos des Abends:

In wechselnden Rollen, hier als Meister des Feng Shui, unterhielt Kabarettist Markus Höffer-Mehlmer alias Büb Käzmann sein Publikum in der „Alten Post“ in Brensbach.
Foto: Kirsten Sundermann