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| Archiv: Kabbaratz "Das Beste zum Schluß" 21. 01. 2005 |
Text vom Pressebericht in der "Alten Post" am 21.Jan.
2005
im "Odenwälder Echo" Ausgabe 24.01.2005 von Sabine
Koch:
K(r)ampf der Generationen
Schwärzeste Satire: Darmstädter Duo Kabbaratz gastiert mit großem Erfolg in der Kleinkunstkneipe Alte Post
BRENSBACH. Hallo! Halli hallo! Hallöchen mit geradezu umwerfender, sich steigernder Überschwänglichkeit begrüßte Evelyn Wendler mit fröhlichem Singsang die Zuschauer in der ausverkauften Alten Post. Doch gleich darauf wurde die Woge der Heiterkeit gebremst vom nüchternen Einwurf ihres Kollegen, sie möge doch nicht allzu kindisch sein.Mit der Seriosität eines Bestattungsunternehmers hieß der kahlköpfige Peter Hoffmann nun seinerseits das Publikum würdevoll willkommen. Peter, so spricht doch heute kein Mensch mehr! konterte seine Partnerin. Sein entrüstetes Bin ich kein Mensch? löste im Lokal heftiges Gelächter aus.
Dieser gelungene Auftakt zum inzwischen schon 14. Programm von Kabbaratz mit dem verheißungsvollen Titel Das Beste zum Schluss Der K(r )ampf der Generationen entwickelte sich bald zum verbalen Schlagabtausch von unterschiedlicher Einstellungen zum Thema Alter.
Denn während er unverblümt zugab, 46 Jahre alt zu sein, von Frührentnern und Altersheimen sprach, freute sie sich über geschätzte 38 und erwähnte die freizeitorientierten Fünfziger und Seniorenresidenzen und überhaupt seien die Rollstühle in Wirklichkeit rasante Four-wheel-cruiser.
Im neuen Verhältnis zur Zeit erkannte sie den großen Vorteil dieser Lebensphase zu sehen an den Rentnern, die in aller Gemütsruhe in der Feierabendschlange an der Kasse ohne mit der Wimper zu zucken ihre gesammelte Münzbarschaft auf dem Scanner ausbreiten mit der Vorstellung, die Kassiererin werde sich schon das Passende heraussuchen.
Und erst die Altersruhe: Im mittlerweile leeren Nest genießt man die Stille er mit der Zeitung, sie mit einem Taschenbuch im Stuhl sitzend, nur ein Beistelltischchen zwischen sich. Diese Ruhe, auf die wir uns so gefreut haben, unterbricht Peter Hoffmann seltsamerweise immer wieder mit Vorlesen und Fragen warum die Tochter Nicki mit Anfang 20 ausgerechnet von Nieder-Beerbach nach Berlin zog, um dort Vor- und Frühgeschichte zu studieren.
Und warum ruft sie nur einmal die Woche an? Lange reagiert Evelyn Wendler nur mit einem gebrummten hmhm. Doch als Peter vom letzten Telefonat mit seiner Mutti berichtet und erwähnt, einen eventuellen Einzug von ihr in Nickis Zimmer angedacht zu haben wir haben doch so viel Platz springt Evelyn auf und wird zum brüllenden Tier, das den Einzug der Schwiegermutter mit Androhung der Ermordung derselben boykottiert. Statistikfan Peter, der nach diesem Anfall der Gattin und unter dem tosenden Gelächter der Besucher in sich zusammenfällt, flüchtet, die erboste Evelyn auf den Fersen.
Humor ist keine Stimmung, sondern eine Weltanschauung. Diese Ansicht vertritt Peter J. Hoffmann. Der gebürtige Detmolder Katzenfreund ohne Führerschein und ohne Fernseher (seit 1990) gibt sich auf der Bühne betont sachlich. Er studierte Philosophie und Psychologie und ist Gründer, Autor und Ensemblemitglied des Kabaretts Kabbaratz, seit 1995 hauptberuflich. Mit seiner subtilen, minimal eingesetzten Mimik erreicht er maximale Wirkung.
Sein weibliches Pendant gibt sich extravertiert; Evelyn Wendlers ausholende Gebärden und wechselvolles Mienenspiel verleihen ihrer an den Tag gelegten Emotionalität größten Nachdruck. Dieser kunstvolle Kontrast im Äußeren und der vorgetragenen Lebenseinstellung garantiert bissige, ironiegetränkte Unterhaltung. Die beiden in Darmstadt wohnenden Künstler dort haben sie einen festen Spieltermin im Halbneuntheater pflegen bewusst den Kontakt zum Publikum in der Region, die Häuser sind in der Regel ausverkauft wie beispielsweise in Dieburg, Michelstadt und Bensheim.
Wenn die beiden als zittrige, krächzende Greise mühsam versuchen, Politikernamen ihren Ämtern zuzuordnen (Der Kanzler hieß doch Roland Koch? Nein, das war später), ein Horrorszenario im Gesundheitsbereich entwerfen (die Dialysemaschine muss alle zehn Minuten mit einem Zwei-Euro-Stück gefüttert werden) und die Haltung der Gesellschaft ihren alten Mitbürgern gegenüber verdeutlichen (Überfahren von Rentnern gilt als Kavaliersdelikt, die Anschnallpflicht für Rentner besteht nicht mehr) dann zeigt sich die Satire von ihrer schwärzesten Seite.
Die Erkenntnis: Blöd macht nicht runzlig kam an diesem Abend allerdings zu spät denn eine Vertiefung der Lachfalten war bei diesem Kabbaratz-Programm garantiert. Ein begeistertes Publikum beruhigte sich erst nach einer Zugabe.
Sabine Koch
Bilder
vom 21.01.05 in der KleinKunstKneipe "Alte Post":




Pressebild: