Archiv: Down Home Percolators "Blues" 11. 03. 2005

Pressebericht von der Veranstaltung in der "Alten Post" am 11.März 2005
im "Odenwälder Echo" Ausgabe 16.03.2005 von Sabine Koch:

Sie können nur Blues, aber das ist gut so
Auftritt: Klaus Kilian und Bernd Simon überzeugen als „Down Home Percolators“ in der Brensbacher Kleinkunstkneipe Alte Post

BRENSBACH. „Wir spielen ein bisschen alten Blues für euch heute Abend – weil wir nichts anderes können.“ Das Publikum antwortete mit beifälligem Lachen auf diese Ankündigung von Klaus „Mojo“ Kilian, der gemeinsam mit Bernd „Snoopy“ Simon als Duo unter dem Namen „Down Home Percolators“ auftritt. Denn die Szenekenner wussten es bereits: Mit ihrem Programm „Blues Night“ traten zwei Musiker in der „Alten Post“ auf, über die das Bluesmagazin „Blues News“ urteilt: „Das 1a-Gitarren- und Harpspiel steht außerhalb jeder Kritik. Hier sind Könner am Werk.“

Klaus Kilian, Jahrgang 1960, seines Zeichens Lektor, Englisch-Übersetzer, Plattenkritiker und Musiker, spielte ein Instrument, das im deutschsprachigen Raum eine vielfältige Namensgebung hat: Mit Bläsle, Lippenquäke, Schnutenorgel, Hosentaschenklavier, Mundharfe, Goschenhobel, Proleteninstrument und gräulichste Ohrenplage ist die Mundharmonika gemeint. Die Haare zum Schwänzchen zurückgebunden, die Augen hinter dem schwarzen Brillenrahmen geschlossen, wiegte er den Oberkörper auf dem langbeinigen Hocker im Takt der Musik. Seiner silbernen „Bluesharp“, meist unsichtbar, weil von beiden Händen fest umschlossen, entlockte er eine Tonpalette, die von näselndem Gequäke über Eisenbahnimitationen bis hin zum dicken, satten Bläsersound reichte. Er blies, hauchte und schrie in das zierliche Instrument, ließ es seufzen, stöhnen, lachen und weinen, und bog dabei die Töne in Höhen und Tiefen.

Ebenso vielseitig und beeindruckend war die Gitarrenbegleitung des zwei Jahre älteren Bernd Simon. Der bärtige Religionslehrer ist seit über 25 Jahren dem Blues verbunden und spielte ihn mit feinfühligem Fingerpicking und groovenden Läufen. Sein Stil wird als „rollender Swing, der bewusst zurückhaltend unterstützt“ charakterisiert. Und während „Mojo“ bei „Pony Blues“ von Charlie Patton seine Mundharmonika schier zu verschlucken schien, um ihr ein vibrierendes, lang gezogenes Schluchzen zu entlocken, brillierte „Snoopy“ im „Black Rat Swing“ von Memphis Minnie mit imponierenden Gitarrensoli. Immer wieder gab es spontanen Applaus. Bernd Simon kam über seinen Bruder zum Blues, während Klaus Kilian diesen Zugang über Eric Burdon und die „Animals“ fand. Simon und Kilian sind auch Mitglieder der „Matchbox Bluesband“.

Die Titelauswahl nahm die Zuhörer gleichsam mit auf eine Reise durch die Blues-Regionen vom Mississippi über Texas und Memphis bis nach Chicago, zeitlich angesiedelt in der vorletzten Jahrhundertwende bis hin in die fünfziger Jahre. Unterhaltsam vermittelte Klaus Kilian Einblicke in die Geschichte dieser Musikgattung. In keinem anderen musikalischen Genre hat die Harmonika einen so beherrschenden Platz wie beim Blues. Interessant war sie für die bettelarmen Country-Musikern wegen ihres Preises – ab fünf Cent aufwärts – und der scheinbar einfachen Handhabung.

Im wahrsten Sinne des Wortes ging die Post ab beim swingenden „Wonderful time“ von Sonny Boy Williamson oder dem flotten „I can’t be satisfied“ von Muddy Waters. Das Duo überzeugte gleichermaßen als expressive Sänger und furiose Gitarristen. Und so war es denn auch ein Saitenriss auf Bernd Simons Gitarre bei einer Zugabe, der dieser überwältigenden Session vor begeistertem Publikum nach zwei Stunden ein Ende bereitete.
Sabine Koch
16.3.2005


Bilder vom 11.03.05 in der KleinKunstKneipe "Alte Post":

 

 

 

 

Pressebild: