Archiv:Cabaret Paris "Im Tingeltangel tut sich was" 15. 12. 2006
Pressebericht von der Veranstaltung in der "Alten Post" am 15. Dez. 2006
im "Odenwälder Echo", Ausgabe 18. Dez. 2006

Satirische Pfeile treffen ins Ziel
Kleinkunst: Fränkisch-Crumbacher Trio „Cabaret Paris“ um Sängerin Yvonne Vogel beweist in Alter Post seine Vielfalt

BRENSBACH. Der Wunsch wohl jeden Künstlers, vor ausverkauftem Haus zu spielen, ging für die Fränkisch-Crumbacher Formation „Cabaret Paris“ am vergangenen Freitagabend in der Brensbacher Kleinkunstkneipe „Alte Post“ in Erfüllung. Und jene, die gekommen waren, dürften es nicht bereut haben: Erlebten sie doch gut zwei Stunden amüsante Unterhaltung mit dem Programm „Im Tingeltangel tut sich was“.

Seit nahezu 14 Jahren treten die drei von Cabaret Paris nun gemeinsam auf, haben sich aus einer Gruppe von ursprünglich acht Künstlern und Musikanten zusammengefunden. Yvonne Vogel ist die Seele des Ensembles, zu dem außer ihr die Vollblutmusiker Jens Horn (Gitarre) und Jochen Bernhardt (Akkordeon) gehören. Vogel, die vom Theater kommt, bestimmt mit ihren provokativen Texten, sinnlichen und sinnvollen, aber auch humoristischen Liedern und Texten dann die Richtung.

Die „Alte Post“ erlebte das neueste, im Juli erstmals aufgeführte Programm. „Etwas provokativ, aber wenig politisch. Eine bunte Mischung aus Unterhaltung und Musik, wobei die Texte – unter anderem von Wilhelm Busch, Helmut Kästner und Fitz Grasshoff – an diesem Abend im Vordergrund stehen“, beschrieb Yvonne Vogel die Inhalte. Und wünschte sich ein Auditorium, „das nicht so bierernst ist und dabei ruhig Bier trinken kann“.

So viel sei vorweg genommen: Der Wunsch ging in Erfüllung. Von Beginn an stimmte die Beziehung zwischen Publikum und Künstlern, die mit den Gästen in den engen Räumlichkeiten auf Tuchfühlung gingen. „Keine Zimperlichkeiten heute Abend. Sie brauchen keine Deutschlandfahnen zu schwenken, aber Mitmachen ist angesagt“, lautete Vogels Aufforderung, ehe das Trio mit seinem zweistündigen Programm niemanden zu kurz kommen ließ und vielen eine ironisch-sarkastische Abreibung verpasste. Das galt für „die Herren in den weißen Westen, die oftmals tief schwarz sind“ ebenso wie für die Regenbogenpresse, als die Chansonnette die Dame vom Titelblatt besang, „die so blond, so bunt und so blöd ist“.

Yvonne Vogel spannte den Bogen weiter zu der Schauspielerin, für die „Theaterkritik ihr Los und ihr Nackenrippenstoß“ ist und gab allen betrogenen Ehefrauen den nicht ganz ernst gemeinten Rat, ihren Männern „einen Löffel geschnittenes Rosshaar in die Mayonnaise“ zu geben. Das sollte Probleme mit untreuen Herzensbrechern ein für allemal lösen.

Der zweite Teil des Auftritts mit vielen Elementen aus Varieté und Zirkus unterstrich noch einmal eindrucksvoll die Vielfalt dieser außergewöhnlichen Künstlerin – ungeschönt, frech, lebendig und direkt, kam sie beim Publikum an und machte in den wechselnden Kostümen nicht nur eine gute Figur. So als Nonne, die den Teufel als „Mann von Wort“ bezeichnet oder als Küchenmamsell Schmölle, die einen „Mord in der Villa Markuse“ erlebt. Auch der amerikanische „Way of Life“, von Business geprägt, schon mal über über Leichen gehend und dabei stets am Rande der Naivität, blieb nicht verschont.

Sie verschoss ihre satirischen Pfeile und traf stets ins Ziel, der Applaus der Zuschauer war unwiderlegbarer Beweis dafür. Schließlich bekam auch der anwesende „Schreiberling eines subtilen Feuilletons“ sein Fett weg, „der mich nicht als Niete zerreißen soll, denn ich will ja nix anderes sein als ein schöner Clown“.

Und das ist ihr gelungen. So war der Unterton von Texten und Liedern mal leicht ironisch, manchmal auch sarkastisch, aber nie wirklich böse. Den Lohn für das beeindruckende Programm heimste Cabaret Paris in Form anhaltenden Beifalls ein.

Dreimal ließen sich die drei zur Verlängerung ihres Auftritts bewegen, und noch einmal bewies die Frontfrau ihre scharfe Zunge: „Ich hasse die Zugaben, weil man da immer rein und raus muss.“

Franz Hoffmann
18.12.2006


Link zum Bericht im Odenwälder Echo: http://www.darmstaedter-echo.de/suedhessen/template_detail.php3?id=417326

Die gescannte Ausgabe des Presseberichts finden Sie hier


Bilder vom 15.12.06 in der KleinKunstKneipe "Alte Post":

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